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GKV-Finanzen 2027: Durchschnittlicher Zusatzbeitrag soll bei 2,9 Prozent bleiben
GKV-Finanzen 2027: Durchschnittlicher Zusatzbeitrag soll bei 2,9 Prozent bleiben
Schätzerkreis erwartet Ausgabenanstieg auf 378 Milliarden Euro - Spargesetz soll Krankenkassen um bis zu 15 Milliarden Euro entlasten, Verbände zweifeln jedoch an der Nachhaltigkeit
16.10.2026
Der rechnerische durchschnittliche Zusatzbeitrag der gesetzlichen Krankenversicherung soll 2027 unverändert bei 2,9 % liegen. Ob Versicherte tatsächlich von stabilen Beiträgen profitieren, hängt jedoch von den Entscheidungen der einzelnen Krankenkassen ab. Zugleich bleibt die Finanzlage angespannt und der Druck auf die Politik für strukturelle Reformen hoch.
Durchschnittlicher Zusatzbeitrag bleibt rechnerisch stabil
Für 2027 wird in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zunächst keine weitere Erhöhung des durchschnittlichen Zusatzbeitragssatzes erwartet. Der Schätzerkreis aus Vertretern des Bundesamts für Soziale Sicherung, des Bundesgesundheitsministeriums und des GKV-Spitzenverbands hat einen Wert von 2,9 % ermittelt. Das entspricht dem aktuellen Orientierungswert.
Das Bundesgesundheitsministerium legt den durchschnittlichen Zusatzbeitrag auf Grundlage dieser Schätzung zum 1. November fest. Für die einzelnen Krankenkassen ist der Wert allerdings nicht verbindlich. Sie können abhängig von ihrer finanziellen Situation eigene Zusatzbeiträge festlegen oder erhöhen.
Für die Versicherten bedeutet die Prognose daher noch keine Garantie für gleichbleibende Beiträge im kommenden Jahr.
GKV-Ausgaben steigen auf 378 Milliarden €
Der Schätzerkreis rechnet weiterhin mit wachsenden Ausgaben im Gesundheitssystem. Für 2026 werden die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung auf rund 370 Milliarden € geschätzt. 2027 sollen sie auf etwa 378 Milliarden € steigen.
Die Entwicklung im Überblick:
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2026: voraussichtlich 370 Milliarden € GKV-Ausgaben
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2027: voraussichtlich 378 Milliarden € GKV-Ausgaben
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Entlastung durch das Spargesetz: bis zu 15 Milliarden € im Jahr 2027
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Erwarteter Ausgabenanstieg 2027: weniger als 3 %
Nach Angaben des Gesundheitsministeriums sind die Ausgaben seit 2024 jährlich um knapp 8 % gestiegen. Für 2026 wird mit einem Plus von knapp 7 % gerechnet. Im kommenden Jahr soll sich die Dynamik durch die Sparmaßnahmen deutlich abschwächen.
Als wesentlicher Grund für die angespannte Finanzlage gilt, dass die Ausgaben in nahezu allen Leistungsbereichen stärker zunehmen als die Beitragseinnahmen.
Spargesetz soll Krankenkassen entlasten
Die Bundesregierung setzt auf das im Sommer beschlossene GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Es soll die Krankenkassen 2027 um bis zu 15 Milliarden € entlasten. Einen wesentlichen Anteil der Einsparungen sollen die Krankenhäuser tragen.
Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) wertete die Prognose als Bestätigung des eingeschlagenen Kurses. Das Ziel, den durchschnittlichen Zusatzbeitrag 2027 stabil zu halten, sei damit erreicht. Zugleich räumte er ein, dass die finanzielle Lage der Kassen weiterhin schwierig sei. Nach den wiederholten Beitragserhöhungen sei es notwendig, die strukturellen Probleme der GKV anzugehen und ihre Finanzierung langfristig auf eine solide Grundlage zu stellen.
Auch SPD-Gesundheitsexperte Christos Pantazis bezeichnete die Prognose als positives Signal. Sie sei für die rund 75 Millionen gesetzlich Versicherten sowie für Arbeitnehmer, Arbeitgeber und den Wirtschaftsstandort Deutschland von Bedeutung.
Zusatzbeitrag hat sich seit 2022 mehr als verdoppelt
Trotz der nun erwarteten Stabilisierung hat sich der durchschnittliche Zusatzbeitrag in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Seit 2022 stieg er von 1,3 % auf 2,9 % und hat sich damit mehr als verdoppelt.
Die Entwicklung verdeutlicht den anhaltenden Finanzierungsdruck auf die gesetzliche Krankenversicherung. Ein stabiler Durchschnittswert für 2027 würde die bisherigen Steigerungen nicht rückgängig machen, sondern zunächst lediglich eine weitere Erhöhung der rechnerischen Orientierungsgröße verhindern.
Krankenkassenverbände fordern weitere Reformen
Ob die geplanten Einsparungen ausreichen, ist unter den Kassenverbänden umstritten. Der Verband der Ersatzkassen (vdek) äußerte Zweifel an der Wirkung des Sparpakets. Verbandschefin Ulrike Elsner verwies darauf, dass verschiedenen Leistungsbereichen finanzielle Zugeständnisse gemacht worden seien. Dazu zählen:
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Pharmaunternehmen und Arzneimittelversorgung
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Krankenhäuser
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Psychotherapeuten
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Hausärzte und Kinderärzte
Diese Zugeständnisse müssten an anderer Stelle gegenfinanziert werden. Deshalb sei fraglich, ob die vorgesehenen Maßnahmen ausreichten, um die Beitragsentwicklung dauerhaft zu stabilisieren.
Auch der AOK-Bundesverband sprach sich dafür aus, die Bemühungen um mehr Effizienz fortzusetzen und echte Strukturreformen voranzutreiben.
Weitere Beratungen im Bundestag
Am Donnerstag, dem 15. Oktober 2026, will die Koalition erneut über die Finanzlage der Krankenkassen beraten. Im Zusammenhang mit der abschließenden Debatte zur Reform der Notfallversorgung stehen auch mögliche Änderungen am Sparpaket auf der Tagesordnung.
Dabei geht es unter anderem darum, einzelne im Sommer beschlossene Verschärfungen abzumildern und die dadurch entstehenden finanziellen Spielräume durch zusätzliche Einsparungen an anderer Stelle auszugleichen.
Einordnung: Die Prognose für 2027 signalisiert eine vorläufige Stabilisierung des durchschnittlichen Zusatzbeitrags, löst die strukturellen Finanzierungsprobleme der GKV aber nicht. Entscheidend wird sein, ob die Sparmaßnahmen tatsächlich greifen und ob die Politik langfristig tragfähige Reformen umsetzt. Für Versicherte bleibt zudem offen, ob ihre jeweilige Krankenkasse den Zusatzbeitrag stabil halten kann.
KKH-Umfrage: Jeder Fünfte hat keine koordinierende Arztpraxis
KKH-Umfrage: Jeder Fünfte hat keine koordinierende Arztpraxis
Befragung zeigt Schwächen bei der Vernetzung der ambulanten Versorgung - widersprüchliche Empfehlungen und unnötige Doppeluntersuchungen belasten Patienten
13.10.2026
Rund 20 % der 18- bis 70-Jährigen haben laut einer KKH-Umfrage keine Arztpraxis, die ihre Krankengeschichte überblickt und die Behandlung über verschiedene Fachrichtungen hinweg koordiniert.
Ein geplantes Primärversorgungssystem soll die Orientierung verbessern und die Versorgung besser vernetzen.
Fehlende Koordination erschwert die Behandlung
Bei rund jedem 5. Befragten fehlt eine zentrale Anlaufstelle, die medizinische Informationen bündelt und die Behandlung durch verschiedene Ärzte aufeinander abstimmt. Das geht aus einer repräsentativen Befragung hervor, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) unter mehr als 1.000 Menschen durchgeführt hat.
Die Ergebnisse weisen auf Probleme bei der Zusammenarbeit zwischen Arztpraxen hin:
- Mehr als jeder 2. Befragte musste wegen derselben Beschwerde mehrere Ärzte aufsuchen und seine Krankengeschichte wiederholt schildern.
- Jeder 3. erhielt nach eigenen Angaben widersprüchliche medizinische Empfehlungen.
- Weitere Schwierigkeiten waren fehlende Befunde bei Arztterminen, unklare Zuständigkeiten für die weitere Behandlung und unnötige Doppeluntersuchungen.
Aus Sicht der KKH beeinträchtigen solche Abläufe die Qualität und Sicherheit der Versorgung.
Patientensicherheit dürfe nicht davon abhängen, wie gut Patienten ihre Behandlung selbst organisieren können, betonte Vijitha Sanjivkumar, Expertin für Patientensicherheit bei der Krankenkasse.
Erforderlich seien Strukturen, die eine verlässliche Orientierung und eine bessere Koordination ermöglichen.
Primärversorgungssystem ab 2028 geplant
Die Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD plant die Einführung eines verbindlichen Primärversorgungssystems.
Gesetzlich Versicherte sollen sich dabei grundsätzlich zunächst an eine Hausarztpraxis wenden. Diese soll bei Bedarf eine fachärztliche Behandlung vermitteln und dafür einen Termin innerhalb eines festgelegten Zeitraums ermöglichen.
Für bestimmte Fachrichtungen sind Ausnahmen vorgesehen. Dazu sollen unter anderem Augenärzte und Gynäkologen gehören. Der Start des neuen Systems ist für 2028 geplant.
Ziel ist es, Behandlungswege besser zu steuern, Informationen zwischen den beteiligten Praxen besser zusammenzuführen und unnötige Untersuchungen oder Versorgungsschritte zu vermeiden.
Kritik: Hausarztpraxen könnten überlastet werden
Die geplante Reform stößt jedoch auch auf Bedenken. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz warnt vor einer zusätzlichen Belastung der Hausarztpraxen.
In den kommenden Jahren dürften zahlreiche Hausärzte in den Ruhestand gehen oder ihre Arbeitszeit reduzieren.
Damit stellt sich die Frage, ob ausreichend hausärztliche Kapazitäten zur Verfügung stehen, um die zusätzliche Koordinierungsfunktion zu übernehmen.
Für das Gelingen des Primärversorgungssystems wird daher entscheidend sein, dass die neuen Strukturen nicht nur verbindliche Abläufe schaffen, sondern auch personell und organisatorisch tragfähig ausgestaltet werden.
Hybrid-DRGs: Ambulantisierung nimmt zu, Ausgaben steigen dennoch
Hybrid-DRGs: Ambulantisierung nimmt zu, Ausgaben steigen dennoch
WIdO-Auswertung zeigt deutliche Mengeneffekte - GKV-Ausgaben steigen 2025 um 14 %
06.10.2026
Hybrid-DRGs verlagern zwar zunehmend Behandlungen vom stationären in den ambulanten Bereich, führen bislang aber nicht zu den erwarteten Einsparungen für die GKV.
Eine WIdO-Analyse von Abrechnungsdaten von mehr als 27 Mio. AOK-Versicherten zeigt für 2025 einen Anstieg der inflationsbereinigten Ausgaben um 14 % beziehungsweise rund 360 Mio. €.
Ausschlaggebend sind vor allem zusätzliche Behandlungsfälle und strukturelle Effekte.
Mehr ambulante Behandlungen, aber höhere Gesamtausgaben
Mit den Hybrid-DRGs sollte eine Vergütung geschaffen werden, die unabhängig vom gewählten Versorgungssektor funktioniert.
Ziel ist es, geeignete Eingriffe aus dem Krankenhaus in den ambulanten Bereich zu verlagern und damit stationäre Ressourcen zu entlasten.
Eine aktuelle WIdO-Auswertung zeigt, dass sich die Versorgungsstruktur tatsächlich verändert hat. Der Anteil der betrachteten Leistungen, die ambulant erbracht wurden, erhöhte sich:
- 2024: 38 %
- 2025: 48 %
Damit ist der Ambulantisierungsgrad innerhalb eines Jahres um 10 Prozentpunkte gestiegen.
Eine entsprechende Entlastung der GKV-Finanzen ist bislang jedoch nicht eingetreten.
Im Gegenteil: Die inflationsbereinigten Ausgaben für den untersuchten Leistungskorb erhöhten sich 2025 gegenüber 2024 um 14 % beziehungsweise rund 360 Mio. €.
Das WIdO hat dafür Abrechnungsdaten von mehr als 27 Mio. AOK-Versicherten ausgewertet, standardisiert und auf die gesamte GKV hochgerechnet.
3 Effekte treiben die Ausgaben nach oben
Die Untersuchung macht deutlich, dass der Anstieg nicht allein durch die Preisentwicklung erklärt werden kann. Entscheidend sind insbesondere Mengeneffekte und Veränderungen in der Zusammensetzung der Leistungen.
1. Nicht jede Hybrid-DRG führt zu einer tatsächlichen Ambulantisierung
Ein erheblicher Teil der Leistungen wird trotz Abrechnung über eine Hybrid-DRG weiterhin mit stationärer Übernachtung erbracht.
Im Jahr 2025 betraf dies rund 266.000 Fälle.
Bei diesen Behandlungen hat sich damit vor allem die Art der Vergütung verändert. Die Versorgung selbst wurde nicht vollständig vom stationären in den ambulanten Bereich verlagert.
2. Auch bereits ambulant erbrachte Eingriffe werden höher vergütet
Hybrid-DRGs erfassen nicht ausschließlich Leistungen, die zuvor stationär durchgeführt wurden.
Dazu gehören auch Eingriffe, die Krankenhäuser oder Vertragsärzte bereits vor Einführung der Hybrid-DRGs ambulant über andere Vergütungssysteme, beispielsweise den AOP-Katalog oder den EBM, abrechnen konnten.
In solchen Fällen ersetzt die Hybrid-DRG keine stationäre Behandlung. Dennoch kann für den Eingriff eine höhere Vergütung anfallen.
Damit entsteht ein zusätzlicher Ausgabeneffekt, obwohl keine Verlagerung aus dem stationären Bereich stattgefunden hat.
3. Fallzahlen im ambulanten Bereich steigen deutlich
Besonders relevant ist die Entwicklung der Behandlungsmenge. Im vertragsärztlichen Bereich nahm die Zahl der Fälle innerhalb des untersuchten Leistungskorbs deutlich zu.
Damit scheint die neue Vergütungsstruktur nicht nur bestehende stationäre Leistungen in den ambulanten Bereich zu verschieben. Sie kann zugleich einen Anreiz schaffen, zusätzliche Leistungen zu erbringen.
Mengeneffekt übertrifft Einsparungen deutlich
Die unterschiedlichen Effekte lassen sich auch finanziell beziffern.
Dem ausgabensenkenden Preiseffekt von 56 Mio. € stand 2025 ein ausgabensteigernder Mengen- und Struktureffekt von 429 Mio. € gegenüber.
Damit wurde die durch niedrigere Preise erzielte Entlastung deutlich überkompensiert.
Unterm Strich stiegen die inflationsbereinigten Ausgaben um rund 360 Mio. € beziehungsweise 14 %.
Entwicklung setzt sich 2026 fort
Auch die ersten Zahlen für 2026 deuten darauf hin, dass sich die Entwicklung fortsetzt.
Zum Jahresbeginn wurde das Hybrid-DRG-System erheblich ausgeweitet:
- Anstieg von 22 auf 69 Hybrid-DRGs
- insgesamt 904 relevante OPS
- erfasste stationäre Verweildauer von bis zu 2 Tagen.
Im 1. Quartal 2026 lagen die Fallzahlen des untersuchten Leistungskorbs bereits 5 % über dem Vorjahresquartal.
Gleichzeitig erhöhten sich die inflationsbereinigten Ausgaben um 7 % beziehungsweise rund 160 Mio. €.
Sollte sich diese Entwicklung über das gesamte Jahr fortsetzen, erwartet das WIdO für 2026 zusätzliche Ausgaben von rund 640 Mio. €.
Ambulantisierungspotenzial weiterhin groß
Trotz der deutlichen Mengenausweitung ist das Potenzial für eine weitere Verlagerung stationärer Behandlungen in den ambulanten Bereich nach Einschätzung des WIdO noch nicht ausgeschöpft.
Eine Auswertung der Barmer kommt zu dem Ergebnis, dass im vergangenen Jahr etwa 1 von 5 vollstationären Behandlungsfällen grundsätzlich ambulant hätte durchgeführt werden können.
Damit bleibt die grundsätzliche Zielsetzung der Hybrid-DRGs relevant: Geeignete Eingriffe sollen unabhängig vom bisherigen Versorgungssektor dort erbracht werden, wo eine ambulante Behandlung möglich ist.
Herausforderung: Verlagerung fördern, Mengen aber begrenzen
Die Ergebnisse zeigen gleichzeitig ein grundlegendes Spannungsfeld bei der Gestaltung der Vergütung.
Eine ausreichend attraktive Vergütung ist erforderlich, damit Krankenhäuser und Vertragsärzte stationäre Leistungen tatsächlich ambulant erbringen.
Ist die Vergütung jedoch zu großzügig ausgestaltet, kann sie gleichzeitig einen Anreiz für zusätzliche Eingriffe schaffen, die nicht allein durch die Verlagerung stationärer Leistungen entstehen.
Aus Sicht des WIdO sollte deshalb die Weiterentwicklung der Hybrid-DRGs mit einer stärkeren Mengensteuerung verbunden werden.
Als mögliche Instrumente nennt das Institut unter anderem:
- Mengendeckel, um eine unkontrollierte Ausweitung der Fallzahlen zu begrenzen
- degressive Vergütungselemente, bei denen zusätzliche Mengen nicht dauerhaft zum gleichen Preis vergütet werden
- regelgebundene und zeitnahe Anpassungen der Preise, um die Vergütung besser an die tatsächliche Kostenentwicklung anzupassen
- ein sektorenübergreifendes Versorgungsmonitoring, um Veränderungen bei Fallzahlen, Leistungsstrukturen und Versorgung frühzeitig erkennen zu können.
--> Die WIdO-Auswertung zeigt ein ambivalentes Bild der Hybrid-DRGs: Die gewünschte Verlagerung in den ambulanten Bereich findet statt – der Ambulantisierungsgrad stieg von 38 % auf 48 %.
Gleichzeitig erhöhten sich die GKV-Ausgaben 2025 um 14 % beziehungsweise rund 360 Mio. €.
Für 2026 zeichnet sich mit einem Ausgabenplus von 7 % im 1. Quartal und rund 160 Mio. € zusätzlichen Kosten eine Fortsetzung des Trends ab.
Bei gleichbleibender Entwicklung könnten die Mehrausgaben im Gesamtjahr bei rund 640 Mio. € liegen.
Die weitere Ausweitung sektorengleicher Vergütungsmodelle bleibt damit mit der Frage verbunden, wie sich der gewünschte Wechsel vom stationären zum ambulanten Setting fördern lässt, ohne gleichzeitig eine starke Zunahme der Leistungsmenge zu erzeugen.
Weitere Informationen finden Sie hier.
Pflegeversicherung vor Milliardenlücke
Pflegeversicherung vor Milliardenlücke
Pflegekassen fehlen 2026 bereits 4,4 Mrd. Euro - für 2027 wird ein zusätzlicher Finanzbedarf von rund 10 Mrd. Euro erwartet
01.10.2026
Die finanzielle Lage der Pflegeversicherung verschärft sich weiter: Auf ein Defizit von voraussichtlich 4,4 Mrd. € im Jahr 2026 könnte 2027 eine Finanzierungslücke von insgesamt rund 10 Mrd. € folgen.
Haupttreiber sind steigende Ausgaben bei deutlich schwächerem Einnahmenwachstum.
Pflegekassen bereits 2026 im Minus
Die Pflegeversicherung steht erneut vor erheblichen finanziellen Problemen. Nach Angaben des GKV-Spitzenverbands haben die Pflegekassen allein im 1. Halbjahr 2026 ein Defizit von 770 Mio. € aufgebaut.
Für das Gesamtjahr wird mit einem Minus von rund 4,4 Mrd. € gerechnet. Selbst zusätzliche Finanzierungsmaßnahmen können diese Lücke voraussichtlich nicht vollständig schließen.
Zur Stabilisierung stehen unter anderem folgende Mittel zur Verfügung:
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ein Bundesdarlehen von 3,2 Mrd. €
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verbliebene Mittel aus dem Pflegevorsorgefonds bzw. Pflege-Ausgleichsfonds.
Trotz dieser Maßnahmen könnte zum Jahresende 2026 noch ein Fehlbetrag von rund 500 Mio. € bestehen.
Ausgaben wachsen deutlich schneller als Einnahmen
Das grundlegende Problem liegt in einem zunehmenden Missverhältnis zwischen den Einnahmen der Pflegeversicherung und ihren Ausgaben.
Besonders stark wirkt sich die steigende Zahl der Pflegebedürftigen aus. Bereits 2025 bezogen mehr als 6 Mio. Menschen Leistungen der Pflegeversicherung. Die Zahl nimmt weiter zu und erhöht damit dauerhaft den Finanzierungsbedarf.
Zusätzlichen Kostendruck verursachen weitere Leistungsbereiche:
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steigende Aufwendungen für Kurzzeitpflege
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höhere Ausgaben für Verhinderungspflege
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wachsende Zuschüsse der Pflegekassen zu den Eigenanteilen von Bewohnern stationärer Pflegeeinrichtungen
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insgesamt steigende Leistungsausgaben aufgrund der zunehmenden Zahl Pflegebedürftiger.
Die aktuelle Entwicklung verdeutlicht die Dynamik: Im Vergleich zum Vorjahr erhöhten sich die Ausgaben um 11 %, während die Einnahmen lediglich um 3,7 % zulegten.
Damit wächst die Ausgabenseite fast 3-mal so schnell wie die Einnahmenseite.
Im 4. Quartal 2026 reicht das Geld voraussichtlich nicht mehr aus
Besonders kritisch wird die Situation gegen Ende des Jahres: Nach Einschätzung des GKV-Spitzenverbands werden die laufenden Einnahmen der Pflegeversicherung im 4. Quartal 2026 voraussichtlich nicht mehr ausreichen, um die anfallenden Pflegeleistungen vollständig zu finanzieren.
Das erwartete Defizit lässt sich auch durch zusätzliche Finanzierungsquellen nicht vollständig auffangen.
Zum Jahresende könnten daher trotz:
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3,2 Mrd. € Bundesdarlehen
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und des Einsatzes der noch vorhandenen Mittel aus dem Pflegevorsorgefonds
noch rund 500 Mio. € fehlen.
Für 2027 droht eine Lücke von 10 Mrd. €
Noch größer wird die Herausforderung im kommenden Jahr. Für 2027 rechnet der GKV-Spitzenverband allein bei der laufenden Finanzierung der Pflegeversicherung mit einem Defizit von rund 7,5 Mrd. €.
Damit ist der Finanzbedarf allerdings noch nicht vollständig abgedeckt. Die Pflegekassen müssen zusätzlich ihre Betriebsmittel wieder auf ein ausreichendes Niveau bringen.
Unter Einbeziehung dieses zusätzlichen Finanzierungsbedarfs ergibt sich nach Berechnung des GKV-Spitzenverbands für 2027 eine Gesamtfinanzierungslücke von rund 10 Mrd. €.
Die Entwicklung lässt sich damit vereinfacht zusammenfassen:
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1. Halbjahr 2026: −770 Mio. €
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Gesamtjahr 2026: voraussichtlich −4,4 Mrd. €
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möglicher Fehlbetrag Ende 2026 trotz Hilfen: rund 500 Mio. €
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erwartetes Defizit 2027: rund 7,5 Mrd. €
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gesamter zusätzlicher Finanzbedarf 2027: rund 10 Mrd. €.
Reform der Pflegeversicherung wird dringlicher
Die Zahlen erhöhen den Handlungsdruck auf die Politik, die bereits angekündigte Reform der Pflegeversicherung zeitnah umzusetzen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie die Finanzierung langfristig stabilisiert werden kann.
Das aktuelle Problem ist nicht allein auf ein einzelnes Defizitjahr zurückzuführen. Die Ausgaben steigen strukturell schneller als die Einnahmen. Gleichzeitig wächst die Zahl der Pflegebedürftigen weiter.
Damit entsteht eine dauerhafte Finanzierungsspannung:
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mehr Pflegebedürftige führen zu höheren Leistungsausgaben,
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zusätzliche Leistungen wie Kurzzeit- und Verhinderungspflege erhöhen den Finanzbedarf,
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steigende Zuschüsse zu den Pflegeheim-Eigenanteilen belasten die Kassen zusätzlich,
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die Einnahmen wachsen wesentlich langsamer als die Ausgaben.
--> Die Pflegeversicherung steht damit vor einer erheblichen finanziellen Herausforderung. Bereits 2026 zeichnet sich trotz zusätzlicher Bundesmittel ein Milliardenminus ab. Für 2027 erwartet der GKV-Spitzenverband ein Defizit von 7,5 Mrd. € und insgesamt einen ungedeckten Finanzbedarf von rund 10 Mrd. €.
Ob die Finanzierungslücke durch zusätzliche Bundesmittel, höhere Einnahmen, Leistungskorrekturen oder strukturelle Reformen geschlossen wird, ist Gegenstand der anstehenden politischen Entscheidungen. Klar ist jedoch: Das bisherige Finanzierungsniveau reicht nach den aktuellen Berechnungen nicht aus, um die steigenden Ausgaben der Pflegeversicherung dauerhaft abzudecken.
Weitere Informationen finden Sie hier.
Honorar 2027: Orientierungswert steigt um 2,2 %
Honorar 2027: Orientierungswert steigt um 2,2 %
Der Orientierungswert steigt 2027 um 2,2 % auf 13,0207 Cent, während sich die Morbiditäts- und Demografieraten in den meisten KV-Bezirken wieder positiv entwickeln - für die tatsächliche Honorarentwicklung der Praxen bleiben jedoch regionale Vereinbarungen und die Folgen des GKV-BStabG entscheidend.
30.09.2026
Der Orientierungswert für die vertragsärztliche Vergütung steigt zum 1. Januar 2027 von 12,7404 Cent auf 13,0207 Cent je Punkt. Das entspricht einem Plus von 2,2 %.
Gleichzeitig fallen die morbiditäts- und demografiebedingten Veränderungsraten 2027 in den meisten KV-Bezirken wieder positiv aus.
Neuer Orientierungswert ab Januar 2027
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der GKV-Spitzenverband haben sich kürzlich im Bewertungsausschuss auf die Vergütungsentwicklung für 2027 verständigt. Der bundesweit geltende Orientierungswert wird zum Jahreswechsel um 2,2 % angehoben.
Damit steigt der Wert:
- von 12,7404 Cent
- auf 13,0207 Cent
- je EBM-Punkt.
Der Orientierungswert bildet die bundesweit einheitliche Preiskomponente der vertragsärztlichen Vergütung. Für jede im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) enthaltene Leistung ist eine bestimmte Punktzahl hinterlegt. Durch die Multiplikation dieser Punktzahl mit dem Orientierungswert ergibt sich der rechnerische Vergütungsbetrag der jeweiligen Leistung.
Bei der jährlichen Anpassung werden unter anderem die Kostenentwicklung der Praxen berücksichtigt. Dazu zählen insbesondere Investitions- und Betriebskosten. Ebenfalls relevant sind mögliche Wirtschaftlichkeitsreserven sowie die Kosteneffekte steigender Fallzahlen.
Plus von 2,2 % fällt geringer aus als in den Vorjahren
Die Entwicklung des Orientierungswerts zeigt, dass sich das jährliche Wachstum zuletzt abgeschwächt hat:
- 2024: +3,85 %
- 2025: +3,85 %
- 2026: +2,8 %
- 2027: +2,2 %
Für 2027 fällt die Anhebung damit erneut niedriger aus als in den beiden Vorjahren.
Morbidität und Demografie entwickeln sich überwiegend positiv
Mit dem Orientierungswert ist die Honorarentwicklung für die Praxen allerdings noch nicht abschließend bestimmt. Eine wesentliche Rolle spielt die morbiditätsbedingte Gesamtvergütung (MGV). Über deren konkrete Höhe verhandeln die einzelnen Kassenärztlichen Vereinigungen anschließend mit den Krankenkassen auf regionaler Ebene.
Dabei werden Veränderungen in der Morbiditätsstruktur und der Altersstruktur der Versicherten berücksichtigt. Der Bewertungsausschuss hat hierfür bereits im August 2026 die entsprechenden regionalen Veränderungsraten für 2027 festgelegt.
Im bundesweiten Durchschnitt ergeben sich:
- diagnosebezogene Veränderungsrate: +0,75 %
- demografische Veränderungsrate: +0,07 %
Damit unterscheiden sich die Ausgangsbedingungen deutlich von 2026. Im vergangenen Jahr waren sowohl die diagnosebezogenen als auch die demografischen Veränderungsraten noch in sämtlichen KV-Bezirken negativ.
Für 2027 weisen dagegen 15 von 17 KV-Bezirken eine positive diagnosebezogene Rate und 14 von 17 Bezirken eine positive demografische Rate auf.
Regionale Unterschiede bleiben erheblich
Die vom Bewertungsausschuss beschlossenen Empfehlungen zeigen, dass sich die Entwicklung regional deutlich unterscheidet.
| KV-Bezirk | Morbiditätsrate 2027 | Demografierate 2027 |
|---|---|---|
| Baden-Württemberg | +0,8564 % | +0,0855 % |
| Bayern | +0,9317 % | +0,0843 % |
| Berlin | −0,0651 % | −0,1112 % |
| Brandenburg | +0,6910 % | +0,0147 % |
| Bremen | +0,1178 % | −0,0919 % |
| Hamburg | −0,0492 % | −0,0412 % |
| Hessen | +0,4729 % | +0,0597 % |
| Mecklenburg-Vorpommern | +0,8509 % | +0,1695 % |
| Niedersachsen | +0,8302 % | +0,1220 % |
| Nordrhein | +0,6496 % | +0,0269 % |
| Rheinland-Pfalz | +0,6400 % | +0,0896 % |
| Saarland | +0,9637 % | +0,0492 % |
| Sachsen | +0,8725 % | +0,0767 % |
| Sachsen-Anhalt | +1,5453 % | +0,0700 % |
| Schleswig-Holstein | +0,9509 % | +0,0567 % |
| Thüringen | +1,1256 % | +0,1958 % |
| Westfalen-Lippe | +0,7190 % | +0,0935 % |
Besonders deutlich fällt die diagnosebezogene Veränderungsrate in Sachsen-Anhalt mit +1,5453 % aus. Ebenfalls über der Marke von 1 % liegt Thüringen mit +1,1256 %.
Bei der demografischen Entwicklung verzeichnet Thüringen mit +0,1958 % den höchsten Wert, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern mit +0,1695 % und Niedersachsen mit +0,1220 %.
Negative Werte finden sich bei der Morbiditätsrate in Berlin (−0,0651 %) und Hamburg (−0,0492 %). Bei der demografischen Rate weisen Berlin (−0,1112 %), Bremen (−0,0919 %) und Hamburg (−0,0412 %) negative Werte auf.
Die regionalen Werte sind Empfehlungen für die Vereinbarung der Veränderungen der Morbiditätsstruktur nach § 87a Abs. 5 Satz 1 Nr. 2 SGB V.
Neue Honorarobergrenze greift 2027 noch nicht
Eine zusätzliche Bedeutung erhält die Honorarvereinbarung vor dem Hintergrund des neuen GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes (GKV-BStabG). Das Gesetz sieht grundsätzlich eine Begrenzung der jährlichen Steigerung des Orientierungswerts und der regionalen Punktwerte auf die Grundlohnrate vor.
Für die Jahre 2027 bis 2029 wird diese zulässige Grenze zusätzlich jeweils um 1 Prozentpunkt reduziert.
Für die Festlegung des Orientierungswerts 2027 hatte diese Regelung allerdings noch keine begrenzende Wirkung. Die maßgebliche Grenze liegt unter Berücksichtigung des Abschlags bei 3,42 %. Der tatsächlich vereinbarte Anstieg von 2,2 % bleibt damit deutlich darunter.
Die im Vorfeld diskutierte Befürchtung, dass die neue gesetzliche Obergrenze bereits 2027 unmittelbar zu einer stärkeren Begrenzung der Honorarentwicklung führen könnte, hat sich somit für den Orientierungswert 2027 nicht bestätigt.
Orientierungswert allein sagt wenig über die Praxisfinanzen aus
Für die einzelne Praxis lässt sich aus dem Anstieg des Orientierungswerts jedoch nicht unmittelbar auf die tatsächliche Honorarentwicklung schließen. Entscheidend sind weitere Faktoren.
Dazu gehören insbesondere:
- die regional vereinbarte morbiditätsbedingte Gesamtvergütung,
- die Entwicklung der Morbiditäts- und Demografiestruktur,
- die regionalen Vergütungsregelungen,
- das individuelle Leistungsspektrum einer Praxis,
- Veränderungen bei extrabudgetären Leistungen,
- Zuschläge und weitere Vergütungsbestandteile.
Hinzu kommen ab 2027 verschiedene Änderungen durch das GKV-BStabG. Unter anderem sollen bislang extrabudgetär vergütete Leistungen teilweise wieder in die Budgetierung zurückgeführt werden. Zudem entfallen einzelne Zuschläge.
Damit kann der Anstieg des Orientierungswerts von 2,2 % nicht isoliert als Maßstab für die wirtschaftliche Entwicklung einer Praxis betrachtet werden.
Entscheidend wird die weitere Entwicklung
Für 2027 fällt der Anstieg des Orientierungswerts zwar niedriger aus als in den Jahren 2024 bis 2026, die neue gesetzliche Honorarobergrenze hat die Anpassung für 2027 jedoch noch nicht begrenzt.
Spannender dürfte die Wirkung der neuen Regelung in den Folgejahren werden. Kritisch könnte die Begrenzung insbesondere dann werden, wenn die tatsächliche Kostenentwicklung der Praxen und der daraus abgeleitete Anpassungsbedarf stärker steigen als die gesetzlich zulässige Honorarsteigerung.
Für die Praxis bedeutet das: Der neue Orientierungswert von 13,0207 Cent ist ein wichtiger Baustein der Vergütung, bildet die tatsächliche Honorarentwicklung aber nur gemeinsam mit den regionalen Vereinbarungen und den weiteren gesetzlichen Änderungen ab.
Weitere Informationen finden Sie hier.
Zi-Studie: Ambulante Kooperationspraxen können Notaufnahmen spürbar entlasten
Zi-Studie: Ambulante Kooperationspraxen können Notaufnahmen spürbar entlasten
Eine Auswertung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) zeigt, dass ambulante Kooperationspraxen einen großen Teil der nach einer Ersteinschätzung aus Notaufnahmen weitergeleiteten Patienten abschließend behandeln können, ohne dass Hinweise auf eine erhöhte Patientengefährdung festgestellt wurden.
28.09.2026
Eine Auswertung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung zeigt, dass ambulante Kooperationspraxen einen großen Teil der nach einer Ersteinschätzung aus Notaufnahmen weitergeleiteten Patienten abschließend behandeln können, ohne dass Hinweise auf eine erhöhte Patientengefährdung festgestellt wurden.
Kooperationspraxen übernehmen ambulant behandelbare Fälle
Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) hat die Erfahrungen aus 7 Pilotprojekten ausgewertet, an denen Krankenhäuser, Kassenärztliche Vereinigungen und vertragsärztliche Praxen beteiligt waren. Insgesamt wurden mehr als 2.000 Patienten in die untersuchten Steuerungsprozesse einbezogen.
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Patienten mit weniger dringlichen Beschwerden nach einer Ersteinschätzung in der Notaufnahme gezielt in die ambulante Versorgung überführt werden können. Dafür wurden sogenannte Kooperationspraxen eingesetzt.
Das Prinzip:
- Patienten werden zunächst in der Notaufnahme medizinisch eingeschätzt.
- Ist keine stationäre oder notfallmedizinische Behandlung erforderlich, kann eine Weiterleitung in eine geeignete vertragsärztliche Praxis erfolgen.
- Die Kooperationspraxis übernimmt anschließend die ambulante Behandlung.
- Ziel ist es, unnötige Behandlungen in der Notaufnahme zu vermeiden und vorhandene ambulante Kapazitäten besser zu nutzen.
Hohe Versorgungsquoten in den Pilotprojekten
Die Ergebnisse der 7 Projekte zeigen, dass die überwiegende Mehrheit der weitergeleiteten Patienten tatsächlich in den Kooperationspraxen abschließend behandelt werden konnte.
Die ermittelten Versorgungsquoten lagen je nach Projekt zwischen:
- 85,7 % am niedrigsten untersuchten Standort
- 96,2 % am höchsten untersuchten Standort
Damit konnten in den Projekten jeweils große Teile der Patienten, die nach der Ersteinschätzung für eine ambulante Weiterbehandlung vorgesehen waren, ohne erneute Versorgung in der Notaufnahme in den Kooperationspraxen behandelt werden.
Die Ergebnisse liefern laut Zi damit Hinweise darauf, dass solche Versorgungsmodelle grundsätzlich geeignet sind, Notaufnahmen von Fällen zu entlasten, die keine Krankenhausbehandlung benötigen.
Keine Hinweise auf Gefährdung durch Weiterleitung
Neben der Frage, ob Patienten tatsächlich ambulant versorgt werden konnten, wurde auch die Patientensicherheit betrachtet.
Nach der ärztlichen Bewertung der Pilotprojekte ergaben sich laut Zi keine Hinweise darauf, dass Patienten durch die Weiterleitung in eine Kooperationspraxis gefährdet wurden.
Damit beschränkt sich die Auswertung nicht auf die Frage der Entlastung von Notaufnahmen. Sie betrachtet zugleich, ob die Weiterleitung von Patienten mit weniger dringlichen Beschwerden unter den Bedingungen der Pilotprojekte medizinisch vertretbar war.
Entscheidend ist die gesamte Prozesskette
Die Erfahrungen aus den Pilotprojekten zeigen laut Zi, dass nicht allein das Verfahren zur Ersteinschätzung über den Erfolg entscheidet. Ebenso wichtig ist, dass die anschließende Versorgung zuverlässig organisiert wird.
Dazu gehören insbesondere:
- klare Zuständigkeiten beim ersten Patientenkontakt
- eine strukturierte und nachvollziehbare Ersteinschätzung
- festgelegte und zeitlich definierte Wege für die Weiterbehandlung
- aktuelle Informationen über freie Behandlungskapazitäten
- Angaben zur fachlichen Ausrichtung der beteiligten Praxen
- eine konkrete und bestätigte Übernahme des Patienten durch die Kooperationspraxis
- standardisierte Informationen über den weiteren Behandlungsverlauf
- eine funktionierende digitale Vernetzung zwischen den beteiligten Einrichtungen
Gerade bei zeitkritischen Fällen muss nach Einschätzung des Zi eindeutig feststehen, welche Praxis den Patienten übernimmt. Eine bloße Weiterleitung ohne gesicherte Anschlussversorgung reicht dafür nicht aus.
Aktuelle Informationen über Praxiskapazitäten erforderlich
Ein zentraler Punkt ist die Frage, ob zum Zeitpunkt der Weiterleitung tatsächlich eine geeignete Praxis zur Verfügung steht.
Die weiterleitende Stelle muss deshalb möglichst unmittelbar erkennen können:
- welche Kooperationspraxis für das jeweilige Krankheitsbild geeignet ist,
- welche fachlichen Schwerpunkte dort vorhanden sind,
- ob kurzfristig Behandlungskapazitäten bestehen,
- und ob die Praxis bereit ist, den konkreten Patienten zu übernehmen.
Dafür sind aktuelle und verlässliche Informationen über die beteiligten Praxen erforderlich. Besonders bei kurzfristig notwendiger Weiterbehandlung kann eine funktionierende digitale Kommunikation zwischen Notaufnahme und Praxis entscheidend sein.
Zusätzlicher Aufwand für die Praxen
Die Pilotprojekte machten zugleich deutlich, dass die Funktion als Kooperationspraxis mit zusätzlichem organisatorischem Aufwand verbunden ist.
Die Praxen müssen nicht nur weitere Patienten behandeln. Zusätzlich entstehen Aufgaben durch:
- das kurzfristige Freihalten von Behandlungskapazitäten
- die laufende Übermittlung von Informationen über verfügbare Termine
- die Koordination der Patientenübernahme
- die verbindliche Bestätigung der Übernahme
- zusätzliche Dokumentation
- Rückmeldungen an die weiterleitende Stelle
- organisatorische Abstimmungen mit Notaufnahmen und weiteren Beteiligten
Nach Angaben des Zi zeigte sich dieser Aufwand bereits bei vergleichsweise niedrigen Fallzahlen deutlich.
Finanzierung als zentrale Voraussetzung
Aus Sicht des Zi muss deshalb neben den organisatorischen und technischen Voraussetzungen auch die Finanzierung der zusätzlichen Leistungen geregelt werden.
Die Erfahrungen aus den Pilotprojekten deuten darauf hin, dass fehlende einheitliche Vergütungsstrukturen die Zusammenarbeit erschweren können. Laut Zi nahmen im Verlauf der Projekte sowohl die Verbindlichkeit der Kooperation als auch die Bereitschaft zu Rückmeldungen ab, wenn entsprechende Vergütungsmechanismen fehlten.
Damit geht es bei der Finanzierung nicht ausschließlich um die Vergütung der eigentlichen Behandlung. Abgedeckt werden müssen auch die zusätzlichen organisatorischen Leistungen, die für eine funktionierende Weiterleitung erforderlich sind.
Zi fordert gesetzliche Absicherung
Das Zi spricht sich deshalb dafür aus, die Finanzierung der Kooperationspraxen gesetzlich abzusichern. Eine entsprechende Regelung sollte nach Auffassung des Instituts im parlamentarischen Verfahren zur Notfallreform berücksichtigt werden.
Die wichtigsten Ergebnisse auf einen Blick
- 7 Pilotprojekte wurden ausgewertet.
- Mehr als 2.000 Patienten waren in die untersuchten Steuerungsprozesse einbezogen.
- Die Versorgungsquoten in den Kooperationspraxen lagen zwischen 85,7 % und 96,2 %.
- Die Projekte zeigen, dass ein großer Teil der aus Notaufnahmen weitergeleiteten Patienten ambulant abschließend versorgt werden kann.
- Nach ärztlicher Prüfung ergaben sich keine Hinweise auf eine Gefährdung der Patienten durch die Weiterleitung.
- Für den Erfolg sind neben der Ersteinschätzung vor allem verlässliche organisatorische Abläufe, freie Behandlungskapazitäten und digitale Vernetzung erforderlich.
- Die übernehmende Praxis sollte die Patientenversorgung verbindlich bestätigen.
- Für Kooperationspraxen entsteht zusätzlicher Koordinations-, Dokumentations- und Rückmeldeaufwand.
- Das Zi sieht deshalb eine verlässliche Finanzierung der zusätzlichen Leistungen als wesentliche Voraussetzung an.
- Das Institut fordert eine gesetzliche Absicherung der Finanzierung im Rahmen der Notfallreform.
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