PKV-Verband verteidigt duales Krankenversicherungssystem
Der PKV-Verband reagiert auf kritische Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz zum Nebeneinander von gesetzlicher und privater Krankenversicherung. Verbandsdirektor Florian Reuther betont die Bedeutung des dualen Systems für Finanzierung, Wettbewerb und langfristige Stabilität des deutschen Gesundheitswesens.
23.09.2026
Der PKV-Verband sieht im Nebeneinander von GKV und PKV einen wichtigen Finanzierungs- und Wettbewerbsfaktor und warnt davor, durch eine stärkere Vereinheitlichung der Systeme die langfristige Belastung der Sozialversicherung zu erhöhen.
PKV-Verband stellt sich hinter das duale System
Auslöser der Stellungnahme sind aktuelle Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz zum Nebeneinander von GKV und PKV. PKV-Verbandsdirektor Florian Reuther verweist darauf, dass die CDU in ihrem Grundsatzprogramm weiterhin das duale Krankenversicherungssystem als Grundlage einer guten Versorgung bezeichnet.
Aus Sicht des PKV-Verbands sprechen insbesondere folgende Punkte für den Erhalt des bestehenden Systems:
- GKV und PKV stehen miteinander im Wettbewerb.
- Die PKV finanziert ihre Leistungen nach dem Prinzip der Kapitaldeckung.
- Privatversicherte tragen nach Angaben des Verbands jährlich rund 15,5 Mrd. € zusätzlich zum Gesundheitswesen bei.
- Nach Darstellung des Verbands kommt dieser zusätzliche Finanzierungsbeitrag der medizinischen Versorgung insgesamt zugute – unabhängig davon, ob Patienten gesetzlich oder privat versichert sind.
Kapitaldeckung als Argument angesichts des demografischen Wandels
Ein wesentlicher Unterschied zwischen den beiden Versicherungssystemen liegt in der Finanzierung. Die GKV arbeitet grundsätzlich nach dem Umlageverfahren, während die PKV Alterungsrückstellungen für die künftigen Gesundheitskosten ihrer Versicherten bildet.
Der PKV-Verband sieht darin einen Vorteil angesichts der alternden Bevölkerung. Nach Verbandsangaben hatte die PKV Ende 2025 insgesamt 355 Mrd. € an Alterungsrückstellungen aufgebaut.
Reuther argumentiert, dass eine Abschaffung oder Einschränkung des dualen Systems dazu führen würde, dass das umlagefinanzierte Modell auf einen größeren Teil der Bevölkerung ausgeweitet werden müsste. Die dadurch entstehenden Belastungen würden nach dieser Argumentation langfristig insbesondere jüngere Generationen über höhere Beiträge treffen.
15,5 Mrd. € zusätzlicher Finanzierungsbeitrag
Der PKV-Verband verweist besonders auf den sogenannten Mehrumsatz durch Privatversicherte. Nach Verbandsangaben fließen jährlich rund 15,5 Mrd. € zusätzlich in das deutsche Gesundheitswesen.
Davon entfällt ein erheblicher Anteil auf die ambulante Versorgung:
- Mehr als 8,5 Mrd. € kommen nach Angaben des Verbands jährlich dem ambulanten Bereich zugute.
- Bundesweit entspricht dies laut PKV-Berechnungen durchschnittlich mehr als 82.000 € pro Arztpraxis und Jahr.
Der Verband argumentiert, dass diese zusätzlichen Einnahmen beispielsweise Investitionen in Personal, Ausstattung und medizinische Leistungen ermöglichen können. Besonders relevant sei der Effekt nach eigenen Angaben auch für Arztpraxen in ländlichen Regionen.
Streitpunkt Wartezeiten in der GKV
Auch die Wartezeiten gesetzlich Versicherter auf Arzttermine greift Reuther in seiner Stellungnahme auf.
Seine Position: Die bestehenden Wartezeitenprobleme seien nicht durch das Nebeneinander von GKV und PKV verursacht, sondern müssten innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung gelöst werden. Eine Abschaffung oder Einschränkung des dualen Systems würde dieses Problem aus Sicht des PKV-Verbands daher nicht beseitigen.
Wettbewerb zwischen GKV und PKV
Der PKV-Verband stellt den Wettbewerb zwischen beiden Versicherungssystemen als einen wesentlichen Bestandteil des deutschen Gesundheitswesens dar. Nach seiner Argumentation profitieren davon nicht nur privat Versicherte.
Der Verband verweist dabei insbesondere auf:
- zusätzliche Einnahmen durch die Behandlung von Privatversicherten
- Investitionsmöglichkeiten für Arztpraxen und Krankenhäuser
- den Wettbewerb zwischen unterschiedlichen Versicherungsmodellen
- die kapitalgedeckte Vorsorge der PKV
- die gemeinsame Versorgungsstruktur, die grundsätzlich von GKV- und PKV-Versicherten genutzt wird.
PKV bietet Zusammenarbeit bei Reformen an
Trotz der deutlichen Kritik an einer möglichen Einschränkung des dualen Systems signalisiert der PKV-Verband Gesprächsbereitschaft. Die Private Krankenversicherung wolle ihre langjährige Erfahrung in die Weiterentwicklung des Gesundheitssystems einbringen.
Reuther fordert die Politik daher auf, die bestehenden Strukturprobleme gezielt zu reformieren, anstatt GKV und PKV stärker zu vereinheitlichen. Seine Argumentation ist dabei ausdrücklich die Position des PKV-Verbands und nicht eine unabhängige Bewertung der Reformoptionen.