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KKH-Umfrage: Jeder Fünfte hat keine koordinierende Arztpraxis

Befragung zeigt Schwächen bei der Vernetzung der ambulanten Versorgung - widersprüchliche Empfehlungen und unnötige Doppeluntersuchungen belasten Patienten

13.10.2026

Rund 20 % der 18- bis 70-Jährigen haben laut einer KKH-Umfrage keine Arztpraxis, die ihre Krankengeschichte überblickt und die Behandlung über verschiedene Fachrichtungen hinweg koordiniert.

Ein geplantes Primärversorgungssystem soll die Orientierung verbessern und die Versorgung besser vernetzen.


Fehlende Koordination erschwert die Behandlung

Bei rund jedem 5. Befragten fehlt eine zentrale Anlaufstelle, die medizinische Informationen bündelt und die Behandlung durch verschiedene Ärzte aufeinander abstimmt. Das geht aus einer repräsentativen Befragung hervor, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) unter mehr als 1.000 Menschen durchgeführt hat.

Die Ergebnisse weisen auf Probleme bei der Zusammenarbeit zwischen Arztpraxen hin:

  • Mehr als jeder 2. Befragte musste wegen derselben Beschwerde mehrere Ärzte aufsuchen und seine Krankengeschichte wiederholt schildern.
  • Jeder 3. erhielt nach eigenen Angaben widersprüchliche medizinische Empfehlungen.
  • Weitere Schwierigkeiten waren fehlende Befunde bei Arztterminen, unklare Zuständigkeiten für die weitere Behandlung und unnötige Doppeluntersuchungen.

Aus Sicht der KKH beeinträchtigen solche Abläufe die Qualität und Sicherheit der Versorgung.

Patientensicherheit dürfe nicht davon abhängen, wie gut Patienten ihre Behandlung selbst organisieren können, betonte Vijitha Sanjivkumar, Expertin für Patientensicherheit bei der Krankenkasse.

Erforderlich seien Strukturen, die eine verlässliche Orientierung und eine bessere Koordination ermöglichen.


Primärversorgungssystem ab 2028 geplant

Die Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD plant die Einführung eines verbindlichen Primärversorgungssystems.

Gesetzlich Versicherte sollen sich dabei grundsätzlich zunächst an eine Hausarztpraxis wenden. Diese soll bei Bedarf eine fachärztliche Behandlung vermitteln und dafür einen Termin innerhalb eines festgelegten Zeitraums ermöglichen.

Für bestimmte Fachrichtungen sind Ausnahmen vorgesehen. Dazu sollen unter anderem Augenärzte und Gynäkologen gehören. Der Start des neuen Systems ist für 2028 geplant.

Ziel ist es, Behandlungswege besser zu steuern, Informationen zwischen den beteiligten Praxen besser zusammenzuführen und unnötige Untersuchungen oder Versorgungsschritte zu vermeiden.


Kritik: Hausarztpraxen könnten überlastet werden

Die geplante Reform stößt jedoch auch auf Bedenken. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz warnt vor einer zusätzlichen Belastung der Hausarztpraxen.

In den kommenden Jahren dürften zahlreiche Hausärzte in den Ruhestand gehen oder ihre Arbeitszeit reduzieren.

Damit stellt sich die Frage, ob ausreichend hausärztliche Kapazitäten zur Verfügung stehen, um die zusätzliche Koordinierungsfunktion zu übernehmen.

Für das Gelingen des Primärversorgungssystems wird daher entscheidend sein, dass die neuen Strukturen nicht nur verbindliche Abläufe schaffen, sondern auch personell und organisatorisch tragfähig ausgestaltet werden.