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Hybrid-DRGs: Ambulantisierung nimmt zu, Ausgaben steigen dennoch

WIdO-Auswertung zeigt deutliche Mengeneffekte - GKV-Ausgaben steigen 2025 um 14 %

06.10.2026

Hybrid-DRGs verlagern zwar zunehmend Behandlungen vom stationären in den ambulanten Bereich, führen bislang aber nicht zu den erwarteten Einsparungen für die GKV.

Eine WIdO-Analyse von Abrechnungsdaten von mehr als 27 Mio. AOK-Versicherten zeigt für 2025 einen Anstieg der inflationsbereinigten Ausgaben um 14 % beziehungsweise rund 360 Mio. €.

Ausschlaggebend sind vor allem zusätzliche Behandlungsfälle und strukturelle Effekte.


Mehr ambulante Behandlungen, aber höhere Gesamtausgaben

Mit den Hybrid-DRGs sollte eine Vergütung geschaffen werden, die unabhängig vom gewählten Versorgungssektor funktioniert.

Ziel ist es, geeignete Eingriffe aus dem Krankenhaus in den ambulanten Bereich zu verlagern und damit stationäre Ressourcen zu entlasten.

Eine aktuelle WIdO-Auswertung zeigt, dass sich die Versorgungsstruktur tatsächlich verändert hat. Der Anteil der betrachteten Leistungen, die ambulant erbracht wurden, erhöhte sich:

  • 2024: 38 %
  • 2025: 48 %

Damit ist der Ambulantisierungsgrad innerhalb eines Jahres um 10 Prozentpunkte gestiegen.

Eine entsprechende Entlastung der GKV-Finanzen ist bislang jedoch nicht eingetreten.

Im Gegenteil: Die inflationsbereinigten Ausgaben für den untersuchten Leistungskorb erhöhten sich 2025 gegenüber 2024 um 14 % beziehungsweise rund 360 Mio. €.

Das WIdO hat dafür Abrechnungsdaten von mehr als 27 Mio. AOK-Versicherten ausgewertet, standardisiert und auf die gesamte GKV hochgerechnet.


3 Effekte treiben die Ausgaben nach oben

Die Untersuchung macht deutlich, dass der Anstieg nicht allein durch die Preisentwicklung erklärt werden kann. Entscheidend sind insbesondere Mengeneffekte und Veränderungen in der Zusammensetzung der Leistungen.

 

1. Nicht jede Hybrid-DRG führt zu einer tatsächlichen Ambulantisierung

Ein erheblicher Teil der Leistungen wird trotz Abrechnung über eine Hybrid-DRG weiterhin mit stationärer Übernachtung erbracht.

Im Jahr 2025 betraf dies rund 266.000 Fälle.

Bei diesen Behandlungen hat sich damit vor allem die Art der Vergütung verändert. Die Versorgung selbst wurde nicht vollständig vom stationären in den ambulanten Bereich verlagert.

 

2. Auch bereits ambulant erbrachte Eingriffe werden höher vergütet

Hybrid-DRGs erfassen nicht ausschließlich Leistungen, die zuvor stationär durchgeführt wurden.

Dazu gehören auch Eingriffe, die Krankenhäuser oder Vertragsärzte bereits vor Einführung der Hybrid-DRGs ambulant über andere Vergütungssysteme, beispielsweise den AOP-Katalog oder den EBM, abrechnen konnten.

In solchen Fällen ersetzt die Hybrid-DRG keine stationäre Behandlung. Dennoch kann für den Eingriff eine höhere Vergütung anfallen.

Damit entsteht ein zusätzlicher Ausgabeneffekt, obwohl keine Verlagerung aus dem stationären Bereich stattgefunden hat.

 

3. Fallzahlen im ambulanten Bereich steigen deutlich

Besonders relevant ist die Entwicklung der Behandlungsmenge. Im vertragsärztlichen Bereich nahm die Zahl der Fälle innerhalb des untersuchten Leistungskorbs deutlich zu.

Damit scheint die neue Vergütungsstruktur nicht nur bestehende stationäre Leistungen in den ambulanten Bereich zu verschieben. Sie kann zugleich einen Anreiz schaffen, zusätzliche Leistungen zu erbringen.


Mengeneffekt übertrifft Einsparungen deutlich

Die unterschiedlichen Effekte lassen sich auch finanziell beziffern.

Dem ausgabensenkenden Preiseffekt von 56 Mio. € stand 2025 ein ausgabensteigernder Mengen- und Struktureffekt von 429 Mio. € gegenüber.

Damit wurde die durch niedrigere Preise erzielte Entlastung deutlich überkompensiert.

Unterm Strich stiegen die inflationsbereinigten Ausgaben um rund 360 Mio. € beziehungsweise 14 %.


Entwicklung setzt sich 2026 fort

Auch die ersten Zahlen für 2026 deuten darauf hin, dass sich die Entwicklung fortsetzt.

Zum Jahresbeginn wurde das Hybrid-DRG-System erheblich ausgeweitet:

  • Anstieg von 22 auf 69 Hybrid-DRGs
  • insgesamt 904 relevante OPS
  • erfasste stationäre Verweildauer von bis zu 2 Tagen.

Im 1. Quartal 2026 lagen die Fallzahlen des untersuchten Leistungskorbs bereits 5 % über dem Vorjahresquartal.

Gleichzeitig erhöhten sich die inflationsbereinigten Ausgaben um 7 % beziehungsweise rund 160 Mio. €.

Sollte sich diese Entwicklung über das gesamte Jahr fortsetzen, erwartet das WIdO für 2026 zusätzliche Ausgaben von rund 640 Mio. €.


Ambulantisierungspotenzial weiterhin groß

Trotz der deutlichen Mengenausweitung ist das Potenzial für eine weitere Verlagerung stationärer Behandlungen in den ambulanten Bereich nach Einschätzung des WIdO noch nicht ausgeschöpft.

Eine Auswertung der Barmer kommt zu dem Ergebnis, dass im vergangenen Jahr etwa 1 von 5 vollstationären Behandlungsfällen grundsätzlich ambulant hätte durchgeführt werden können.

Damit bleibt die grundsätzliche Zielsetzung der Hybrid-DRGs relevant: Geeignete Eingriffe sollen unabhängig vom bisherigen Versorgungssektor dort erbracht werden, wo eine ambulante Behandlung möglich ist.


Herausforderung: Verlagerung fördern, Mengen aber begrenzen

Die Ergebnisse zeigen gleichzeitig ein grundlegendes Spannungsfeld bei der Gestaltung der Vergütung.

Eine ausreichend attraktive Vergütung ist erforderlich, damit Krankenhäuser und Vertragsärzte stationäre Leistungen tatsächlich ambulant erbringen.

Ist die Vergütung jedoch zu großzügig ausgestaltet, kann sie gleichzeitig einen Anreiz für zusätzliche Eingriffe schaffen, die nicht allein durch die Verlagerung stationärer Leistungen entstehen.

Aus Sicht des WIdO sollte deshalb die Weiterentwicklung der Hybrid-DRGs mit einer stärkeren Mengensteuerung verbunden werden.

Als mögliche Instrumente nennt das Institut unter anderem:

  • Mengendeckel, um eine unkontrollierte Ausweitung der Fallzahlen zu begrenzen
  • degressive Vergütungselemente, bei denen zusätzliche Mengen nicht dauerhaft zum gleichen Preis vergütet werden
  • regelgebundene und zeitnahe Anpassungen der Preise, um die Vergütung besser an die tatsächliche Kostenentwicklung anzupassen
  • ein sektorenübergreifendes Versorgungsmonitoring, um Veränderungen bei Fallzahlen, Leistungsstrukturen und Versorgung frühzeitig erkennen zu können.


--> Die WIdO-Auswertung zeigt ein ambivalentes Bild der Hybrid-DRGs: Die gewünschte Verlagerung in den ambulanten Bereich findet statt – der Ambulantisierungsgrad stieg von 38 % auf 48 %.

Gleichzeitig erhöhten sich die GKV-Ausgaben 2025 um 14 % beziehungsweise rund 360 Mio. €.

Für 2026 zeichnet sich mit einem Ausgabenplus von 7 % im 1. Quartal und rund 160 Mio. € zusätzlichen Kosten eine Fortsetzung des Trends ab.

Bei gleichbleibender Entwicklung könnten die Mehrausgaben im Gesamtjahr bei rund 640 Mio. € liegen.

Die weitere Ausweitung sektorengleicher Vergütungsmodelle bleibt damit mit der Frage verbunden, wie sich der gewünschte Wechsel vom stationären zum ambulanten Setting fördern lässt, ohne gleichzeitig eine starke Zunahme der Leistungsmenge zu erzeugen.


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