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Skonto-Comeback bei Rx: Warum Apotheken genau rechnen sollten

Die Apothekenreform schafft wieder mehr Spielraum bei den Einkaufskonditionen für verschreibungspflichtige Arzneimittel. Doch ein höherer Skonto bedeutet nicht automatisch einen höheren Gewinn: Vorzeitige Zahlungen verursachen Kapitalkosten und der tatsächlich skontierbare Einkaufsanteil kann deutlich kleiner sein als gedacht.

14.08.2026

Skonti können die Einkaufskosten einer Apotheke senken, sind aber nur dann wirtschaftlich sinnvoll, wenn der finanzielle Vorteil die Kosten der vorzeitigen Zahlung sowie mögliche Nachteile bei Rabatten, Gebühren und Lieferantenkonditionen übersteigt.


Skonto bei Rx wieder möglich

Mit der geplanten Apothekenreform kehrt ein Instrument zurück, das für die Einkaufsoptimierung von Apotheken interessant sein kann: handelsübliche Skonti auf verschreibungspflichtige Arzneimittel.

Hintergrund ist ein Urteil des Bundesgerichtshofs aus Februar 2024. Der BGH hatte Skonti grundsätzlich wie Rabatte behandelt und damit deren Höhe begrenzt. Diese Deckelung soll nun wieder entfallen.

Vorgesehen ist die Änderung über die Mantelverordnung zum Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG).

Mit der Anpassung der Arzneimittelpreisverordnung soll künftig ein handelsüblicher Skonto auch dann möglich sein, wenn dadurch der tatsächliche Einkaufspreis unter der Summe aus

  • dem Abgabepreis des pharmazeutischen Unternehmens und
  • dem Großhandelsfestzuschlag von 0,73 €

liegt.

Voraussetzung ist allerdings, dass der Skonto als Gegenleistung für eine Zahlung vor dem eigentlichen Fälligkeitstermin gewährt wird.

 

Vorzeitige Zahlung hat ihren Preis

Auf den ersten Blick klingt die Rechnung einfach: früher bezahlen, Skonto erhalten, Einkaufskosten senken.

Die Treuhand Hannover warnt jedoch davor, allein auf die Höhe des Skontos zu schauen. Entscheidend sei vielmehr, was die vorgezogene Zahlung die Apotheke tatsächlich kostet.

Denn wer eine Rechnung früher bezahlt, verliert zunächst Liquidität. Daraus können Kapitalkosten entstehen.

Das kann auf 2 Wegen passieren:

  • Wird das Geschäftskonto stärker belastet oder überzogen, fallen Überziehungszinsen und Gebühren an.
  • Wird vorhandenes Eigenkapital eingesetzt, entstehen entgangene Zinserträge beziehungsweise Renditen, weil das Geld nicht mehr anderweitig investiert werden kann.

Beispiel 1: 15 Tage früher zahlen

Bei einem Zinssatz von 12 % entstehen laut Treuhand bei einer um 15 Tage vorgezogenen Zahlung Kapitalkosten von etwa 0,5 %.

Der Skontovorteil muss also zunächst mindestens diese Kosten ausgleichen.

Beispiel 2: Investment vorzeitig auflösen

Wird für eine Zahlung 30 Tage früher ein Investment mit einer Rendite von 4 % aufgelöst, entstehen laut Treuhand Kapitalkosten von rund 0,33 %.

Damit kann ein vermeintlich attraktiver Skonto wirtschaftlich deutlich weniger wert sein als zunächst angenommen.


Nur ein Teil des Einkaufs ist überhaupt skontierfähig

Ein weiterer entscheidender Punkt liegt im Großhandelseinkauf: Nicht automatisch der komplette Rechnungsbetrag kann mit Skonto belastet werden.

Nach Angaben der Treuhand gilt die Skontierung insbesondere für:

  • Rx-Artikel
  • teilweise nur Rx-Artikel, die nicht Bestandteil spezieller Angebote sind

Dadurch kann sich der tatsächlich skontierfähige Umsatz erheblich reduzieren.

Je nach

  • Bestellstruktur der Apotheke
  • Zusammensetzung des Einkaufs
  • Angebotsgestaltung des Großhändlers

liegt der skontierfähige Umsatz nach Angaben der Treuhand lediglich bei etwa 30 bis 50 % der gesamten Netto-Einkaufssumme.

Das ist für die Wirtschaftlichkeitsrechnung entscheidend: Ein Skonto auf 40 % des Einkaufsvolumens ist etwas völlig anderes als derselbe Prozentsatz auf die gesamte Rechnung.


Wann sich die vorzeitige Zahlung eher lohnt

Die Treuhand nennt mehrere Faktoren, die über die Attraktivität eines Skonto-Modells entscheiden.

Besonders interessant kann eine vorzeitige Zahlung sein, wenn:

  • der Unterschied zwischen dem Skonto bei früher und später Zahlung deutlich ausfällt,
  • ein hoher Anteil des Einkaufs tatsächlich skontierfähig ist,
  • vorhandene Liquidität nur geringe alternative Zinserträge oder Renditen erzielt,
  • bei einer Finanzierung über das Bankkonto nur geringe Überziehungszinsen und Gebühren entstehen.

Umgekehrt kann ein vermeintlich hoher Skonto schnell an Attraktivität verlieren, wenn die Apotheke dafür teuer Liquidität beschaffen oder rentable Anlagen auflösen muss.


Lieferantenangebot genau unter die Lupe nehmen

Die reine Skontohöhe sollte deshalb nicht isoliert betrachtet werden. Die Treuhand empfiehlt, bei neuen Konditionsmodellen sämtliche Bestandteile des Lieferantenangebots zu analysieren.

Besonders wichtig sind folgende Fragen:

  • Gibt es zusätzliche Abzüge, die von Rx-Preis oder Rx-Menge abhängig sind?
  • Werden bestimmte Produkte oder Umsätze künftig vom Rabatt ausgeschlossen?
  • Wie werden Angebote bei der Rabatt- oder Skontoberechnung behandelt?
  • Verlangt der Lieferant bestimmte Umsatz- oder Mengenziele?
  • Sind diese Ziele für die Apotheke realistisch erreichbar?
  • Werden im Gegenzug höhere Gebühren erhoben?

Solche Änderungen können einen zusätzlichen Skontovorteil an anderer Stelle wieder aufzehren.


Die entscheidende Rechnung

Für Apotheken lautet die zentrale Frage daher nicht:

„Wie hoch ist der Skonto?“

Sondern:

„Was bleibt nach Abzug aller Kosten tatsächlich übrig?“

In die Kalkulation gehören insbesondere:

  • tatsächlicher skontierfähiger Einkaufsanteil
  • Höhe des Skontos
  • Zeitraum der vorgezogenen Zahlung
  • Finanzierungskosten
  • entgangene Anlageerträge
  • zusätzliche Gebühren
  • Rabatt- und Angebotsausschlüsse
  • mögliche Umsatz- und Mengenvorgaben

Erst wenn der verbleibende Skontovorteil diese Faktoren übersteigt, verbessert sich die Einkaufssituation tatsächlich.

--> Die Rückkehr handelsüblicher Skonti eröffnet Apotheken damit zwar neuen Spielraum bei der Einkaufsoptimierung, sie ist aber kein automatischer Gewinnhebel. Gerade bei großen Einkaufsvolumina kann bereits eine kleine Differenz bei den Kapitalkosten den Vorteil des Skontos deutlich verändern.