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Neue Medizin-Uni in Cottbus startet - Pharmazie bleibt außen vor

Die Medizinische Universität Lausitz nimmt im Wintersemester 2026/2027 mit 36 Studenten den Betrieb auf. Bis 2035 soll die Zahl der Studienanfänger auf 165 pro Jahr steigen - einen eigenen Pharmaziestudiengang wird es jedoch zunächst nicht geben.

24.08.2026

Mit der neuen Medizinischen Universität Lausitz entsteht in Cottbus ein bundesweit besonderes Modell für digitale und patientenzentrierte Medizin, gleichzeitig bleibt Brandenburg beim Pharmaziestudium Schlusslicht und neben Bremen eines von nur zwei Bundesländern ohne eigenen Studienstandort.

 

36 Studenten starten in Cottbus

Für Brandenburg beginnt im Herbst 2026 ein neues Kapitel in der Hochschul- und Gesundheitslandschaft: Die neu gegründete staatliche Medizinische Universität Lausitz in Cottbus nimmt erstmals ihren Studienbetrieb auf.

Das Carl-Thiem-Klinikum wird damit ab dem kommenden Wintersemester zur Universitätsmedizin.

Die wichtigsten Eckdaten:

  • Start des Modellstudiengangs Humanmedizin im Wintersemester 2026/2027
  • 36 Studenten beginnen zunächst das Studium.
  • Das Semester startet offiziell am 1. Oktober 2026.
  • Für den 11. Oktober ist eine Immatrikulationsfeier vorgesehen.
  • Die Zahl der Studienanfänger soll schrittweise steigen.
  • Bis 2035 ist eine Kapazität von 165 Studienanfängern pro Jahr vorgesehen.

Damit soll aus dem zunächst kleinen Studienjahrgang innerhalb weniger Jahre ein deutlich größerer Ausbildungsstandort für künftige Ärzte werden.

 

Fünf Jahre von der Empfehlung bis zum Studienstart

Die neue Universität ist das Ergebnis eines politischen und wissenschaftlichen Projekts, das vor rund 5 Jahren seinen Anfang nahm.

Am 3. August 2021 legte eine von der brandenburgischen Landesregierung eingesetzte Expertenkommission erstmals eine Empfehlung für den Aufbau einer Universitätsmedizin in der Lausitz vor.

Fünf Jahre später steht der tatsächliche Studienstart unmittelbar bevor.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke verbindet mit der neuen Universität weitreichende Erwartungen. Aus einer Region, die über Jahrzehnte stark vom Kohleabbau geprägt war, soll eine neue Modellregion für Gesundheit und Forschung entstehen.

Die Universitätsmedizin soll damit nicht nur medizinische Ausbildung ermöglichen, sondern auch ein Baustein des Strukturwandels in der Lausitz sein.

 

Medizin soll digitaler und stärker am Patienten ausgerichtet werden

Das Studienkonzept in Cottbus soll sich bewusst von klassischen Ausbildungsmodellen unterscheiden. Die Studenten sollen bereits im Studium lernen, wie eine moderne Gesundheitsversorgung künftig organisiert werden kann.

Im Mittelpunkt stehen insbesondere:

  • digitale Medizin und digitale Versorgung
  • eine stärker patientenzentrierte Behandlung
  • neue Formen der medizinischen Versorgung
  • die Verbindung von Forschung, Lehre und klinischer Praxis
  • Lösungen für die medizinische Versorgung insbesondere in ländlichen Regionen

Wissenschaftsministerin Manja Schüle bezeichnet die geplante Ausbildung als einen Ansatz, der in dieser Form bislang nicht existiere.

Die Universität soll damit nicht lediglich zusätzliche Ärzte ausbilden, sondern zugleich neue Konzepte dafür entwickeln und erproben, wie medizinische Versorgung in Zukunft funktionieren kann.

 

Drei große Herausforderungen im Fokus

Mit der Medizinischen Universität Lausitz werden mehrere gesundheitspolitische und strukturelle Ziele miteinander verbunden.

1. Strukturwandel nach dem Kohleausstieg

Die Lausitz steht nach dem Ausstieg aus der Kohleverstromung vor einem tiefgreifenden wirtschaftlichen Wandel. Die neue Universität soll dazu beitragen, neue wissenschaftliche und wirtschaftliche Strukturen in der Region aufzubauen.

2. Medizinische Versorgung auf dem Land

Gleichzeitig soll die Ausbildung dazu beitragen, die medizinische Versorgung in Brandenburg langfristig abzusichern. Gerade ländliche Regionen stehen vor der Herausforderung, ausreichend Ärzte und andere Gesundheitsberufe zu gewinnen.

3. Forschung und Innovation

Mit der Universitätsmedizin soll außerdem ein neuer Forschungsstandort entstehen. Medizinische Forschung, Digitalisierung und klinische Versorgung sollen enger miteinander verbunden werden.

 

Brandenburg bleibt beim Pharmaziestudium Schlusslicht

Während Cottbus beim Medizinstudium einen Neustart vollzieht, gibt es aus Sicht der Apothekerschaft gleichzeitig einen erheblichen Wermutstropfen: Ein Pharmaziestudium ist weiterhin nicht vorgesehen.

Damit bleibt Brandenburg neben Bremen eines von nur zwei Bundesländern, in denen kein eigenes Pharmaziestudium angeboten wird.

Die Landesapothekerkammer Brandenburg setzt sich bereits seit Jahren für einen entsprechenden Studienstandort ein. Mit dem Aufbau der Medizinischen Universität hatten die Hoffnungen auf eine Kombination aus Medizin und Pharmazie zuletzt zusätzlichen Auftrieb erhalten.

 

Gemeinsames Pharmaziestudium mit Sachsen gescheitert

Vor rund zwei Jahren gab es konkrete Überlegungen, gemeinsam mit Sachsen einen Pharmaziestudiengang in Cottbus aufzubauen.

Geplant war ein entsprechendes Projekt an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU).

Vor den Landtagswahlen 2024 hatte die brandenburgische SPD gegenüber der Apothekerkammer entsprechende Zusagen gemacht. Später wurde das Vorhaben jedoch mit Verweis auf die angespannte Haushaltslage zurückgestellt.

Bis heute ist kein eigener Pharmaziestandort in Brandenburg entstanden.

 

Medizinischer Neustart ohne Pharmazie

Der Start der Medizinischen Universität Lausitz markiert damit einen wichtigen Schritt für Brandenburgs Gesundheits- und Wissenschaftspolitik. Mit zunächst 36 Studenten und einer geplanten Ausweitung auf 165 Studienanfänger jährlich bis 2035 soll Cottbus zu einem bedeutenden Ausbildungs- und Forschungsstandort werden.

Gleichzeitig bleibt eine Lücke bestehen: Während Brandenburg bei der Humanmedizin einen neuen universitären Schwerpunkt aufbaut, fehlt weiterhin eine eigene akademische Ausbildung für Pharmazie.

 

--> Cottbus startet damit als neue Medizin-Hochburg der Lausitz – doch beim Pharmaziestudium bleibt Brandenburg weiterhin Schlusslicht: Neben Bremen ist das Land das einzige Bundesland ohne eigenen Pharmaziestudiengang.