Lange Wartelisten in der Psychotherapie: DiGA entlasten Verordner

Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) können innerhalb der Psychotherapie die bisherige klassische Therapie ergänzen und die Psychotherapeuten entlasten.

13.07.2021

Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) können innerhalb der Psychotherapie die bisherige klassische Therapie ergänzen und die Psychotherapeuten entlasten. Bestimmte digitale Angebote eignen sich auch, um Patienten, die auf einen Therapieplatz warten, schon einmal eine Hilfe an die Hand zu geben. Hintergrund sind oft lange Wartelisten in Deutschland auf einen Psychotherapieplatz.

  • Inzwischen können DiGA unkompliziert aus den meisten Praxis-IT-Programmen heraus auf Rezept verordnet werden - doch noch ist diese Möglichkeit vielen Verordnern unbekannt.
  • Im Rahmen der Online-Veranstaltung "E-Mental Health in Deutschland" stellte Privatdozentin Dr. Rita Bauer von der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Dresden fest, dass DiGA dazu beitragen können, dass die Lücke zwischen Versorgungsbedarf und den begrenzten Kapazitäten kleiner wird.
  • Verschiedene Metaanalysen zeigen inzwischen bei einem breiten Spektrum an psychiatrischen Indikationen eine gute Evidenz, dass der digitale psychotherapeutische Kontakt nicht schlechter sei als der Face-to-Face-Kontakt.
  • Ebenso konnte mittlerweile gezeigt werden, dass vor allem depressive Symptome, soziale Ängste und Stresserleben sehr gut auf E-Mental-Health-Anwendungen ansprechen, wobei therapeutenunterstützte Programme Vorteile gegenüber reinen Selbsthilfeprogrammen hatten. 
  • Wichtig ist: Patienten müssen bei der App-Verordnung darüber aufgeklärt werden, sich bei suizidalen Krisen an einen Arzt zu wenden, der dann ggf. einen Facharzt oder Krisendienst involviert.
  • Ein wichtiger Aspekt ist außerdem die Qualität der einzelnen DiGA: So wies Bauer darauf hin, dass es gerade hinsichtlich Qualität, Datensicherheit und Evidenzbasierung große Unterschiede zwischen den diversen psychiatrischen digitalen Anwendungen gebe.
  • Der Qualitätssicherung dienen das DiGA-Verzeichnis und die DiGA-Zulassung des BfArM. Um in das DiGA-Verzeichnis aufgenommen zu werden, müssen die Entwickler beweisen, dass ihre App die Versorgung verbessert.
  • Apps, die schließlich im DiGA-Verzeichnis gelistet sind, können uneingeschränkt zulasten der GKV verschrieben werden - was viele Ärzte und Therapeuten aber noch nicht mitbekommen haben.
  • So sagten unter den Teilnehmern der Veranstaltung 45 %, dass ihnen der DiGA-Verordnungsweg völlig neu sei.